Wozu dient der seltsame Abstand zwischen den Getränkehaltern im Auto?

Es gibt Dinge im Auto, die man jeden Tag sieht und trotzdem kaum beachtet. Man steigt ein, legt den Schlüssel ab, stellt den Kaffeebecher in die Mittelkonsole und fährt los. Erst wenn jemand auf ein bestimmtes Detail zeigt, beginnt man sich zu fragen, warum es eigentlich so gestaltet wurde. Genau so ist es mit dem kleinen Zwischenraum zwischen zwei Getränkehaltern, wie er auf dem Bild zu sehen ist. Die beiden seitlichen Kunststoffelemente wirken zunächst wie eine einfache Trennung der Becherhalter. Doch hinter solchen Formen steckt häufig mehr als nur dasDesign.

Die naheliegendste Erklärung ist zunächst ziemlich unspektakulär: Solche Stege und Aussparungen helfen dabei, unterschiedlich große Becher und Flaschen besser zu halten. Ein schmaler Kaffeebecher hat schließlich einen anderen Durchmesser als eine große Wasserflasche. Würden die Getränkehalter nur aus zwei großen runden Öffnungen bestehen, könnten kleinere Gefäße darin stärker wackeln. Die seitlichen Elemente verkleinern an bestimmten Stellen den verfügbaren Raum und können dadurch zusätzlichen Halt geben.

Allerdings lässt sich der Zwischenraum bei manchen Fahrzeugen noch für etwas anderes nutzen. Durch seine schmale Form eignet er sich beispielsweise dazu, einen dünnenGegenstand oder den Henkel einer kleinen Tasche einzulegen beziehungsweise einzuklemmen. Genau dieser einfache Trick wird von vielen Autofahrern erst nach Jahren entdeckt.

Stellen Sie sich eine ganz gewöhnliche Situation vor. Sie fahren kurz zum Bäcker und kaufen Brötchen. Die kleine Tüte landet auf dem Beifahrersitz. An der nächsten Ampel müssen Sie etwas stärker bremsen und schon rutscht sie in den Fußraum. Ähnlich sieht es mit einer kleinen Einkaufstasche aus. Darin befinden sich vielleicht zwei Äpfel, eine Packung Käse und ein Joghurt. In der ersten Kurve kippt die Tasche um undder Inhalt verteilt sich im Auto.

Eine leichte Tasche kann man in einigen Fahrzeugen stabilisieren, indem man einen ihrer Henkel in eine passende Aussparung der Mittelkonsole legt. Ist der Abstand zwischen den Getränkehaltern dafür geeignet, bekommt die Tasche einen zusätzlichen Haltepunkt und kann nicht mehr ganz so leicht umfallen.

Dabei sollte man allerdings nicht davon ausgehen, dass jeder Hersteller diesen Zwischenraum ausdrücklich als Taschenhalter konstruiert hat. Das ist ein wichtiger Unterschied. Je nach Fahrzeugmodell kann die Form unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Manchmal gehört sie einfach zur Konstruktion des Getränkehalters, manchmal istsie Bestandteil eines herausnehmbaren oder verstellbaren Einsatzes und manchmal ergibt sich daraus zusätzlich eine praktische Möglichkeit, kleinere Gegenstände zu fixieren.

Deshalb sollte man auch nichts mit Gewalt hineindrücken. Wenn ein Gegenstand problemlos hineinpasst und sicher sitzt, kann die Aussparung praktisch sein. Muss man dagegen stark drücken oder die Kunststoffteile auseinanderbiegen, ist das offensichtlich keine gute Idee.

Gerade Getränkehalter sind wesentlich komplizierter konstruiert, als sie auf den ersten Blick aussehen. Ein Hersteller muss berücksichtigen, dass darin ganz unterschiedliche Behälter landen werden. Der eine Fahrer stellt morgens einen kleinen Kaffeebecher hinein, dernächste eine 0,5-Liter-Flasche und ein anderer vielleicht einen großen Thermobecher.

Wäre die Öffnung exakt auf einen einzigen Durchmesser zugeschnitten, würden viele andere Behälter entweder gar nicht hineinpassen oder viel zu locker sitzen. Deshalb findet man in modernen Autos häufig flexible Einsätze, Gummilaschen, Kunststoffstege oder unterschiedlich geformte Bereiche innerhalb des Getränkehalters.

Bei der auf dem Foto sichtbaren Konstruktion fallen besonders die beiden gegenüberliegenden Kunststoffelemente auf. Sie bilden einen schmaleren Bereich zwischen den beiden runden Ablagen. Ein kleinerer Gegenstand kann dadurch seitlich abgestützt werden. Gleichzeitig bleibt die eigentliche runde Fläche fürgrößere Becher oder Flaschen verfügbar.

Genau solche unscheinbaren Lösungen findet man überall im Auto. Viele davon nimmt man erst wahr, wenn man weiß, wonach man suchen muss.

Ein bekanntes Beispiel sind kleine Haken im Kofferraum. Manche Autofahrer halten sie jahrelang für Befestigungspunkte irgendeiner Verkleidung. Tatsächlich eignen sie sich bei vielen Fahrzeugen hervorragend dazu, Einkaufstaschen einzuhängen. Dadurch fallen Flaschen, Obst oder andere Einkäufe beim Fahren nicht ständig um.

Auch an Sonnenblenden befinden sich häufig kleine Halterungen. Sie können für Parktickets oder andere dünne Karten gedacht sein. Im Handschuhfach findet man beimanchen Autos Vertiefungen, die bei geöffnetem Deckel als Becherhalter verwendet werden können. Andere Fahrzeuge besitzen versteckte Fächer unter dem Kofferraumboden oder unter den Sitzen.

Warum erklären Hersteller solche Kleinigkeiten nicht deutlicher? Zum Teil tun sie es tatsächlich in der Bedienungsanleitung. Nur lesen die wenigsten Menschen die Anleitung ihres Autos vollständig durch. Bei einem neuen Fahrzeug interessiert man sich zunächst eher dafür, wie Tempomat, Klimaanlage, Navigation oder Assistenzsysteme funktionieren. Ein kleiner Kunststoffsteg neben dem Getränkehalter steht ziemlich weit unten auf der Prioritätenliste.

Dazu kommt, dass wir viele Teile des Innenraums automatischbenutzen. Ein Getränkehalter ist eben ein Getränkehalter. Man stellt etwas hinein und denkt nicht weiter darüber nach. Genau deshalb funktionieren Bilder solcher ungewöhnlichen Details im Internet so gut: Man erkennt etwas aus dem eigenen Alltag, das man möglicherweise schon tausendmal gesehen hat, aber nie bewusst betrachtet hat.

Bei dem Zwischenraum auf dem Foto kommt noch eine weitere praktische Möglichkeit hinzu. Abhängig von seiner Größe können dort kleine Gegenstände kurzfristig abgelegt werden. Man sollte allerdings darauf achten, dass sie während der Fahrt nicht herausfallen und keinesfalls die Bedienung von Handbremse, Schalthebeloder anderen Bedienelementen behindern.

Münzen, Schlüssel und ähnliche harte Gegenstände sind beispielsweise nicht immer ideal. Während der Fahrt können sie klappern, Kunststoffoberflächen zerkratzen oder beim starken Bremsen herausgeschleudert werden. Noch problematischer sind Gegenstände, die in den Bereich der Pedale gelangen könnten. Alles, was während der Fahrt lose herumliegt, sollte deshalb möglichst sicher verstaut werden.

Bei Einkaufstaschen gilt das ebenfalls. Der kleine Trick mit einem Henkel kann eine leichte Tüte stabilisieren, ist aber kein Ersatz für eine sichere Ladungssicherung. Eine schwere Einkaufstasche mit mehreren Flaschen gehört nicht an einen kleinen Kunststoffstegin der Mittelkonsole. Bei einer Vollbremsung entstehen erhebliche Kräfte, und aus einem scheinbar harmlosen Gegenstand kann schnell ein Sicherheitsrisiko werden.

Schwere Einkäufe sollten deshalb möglichst im Kofferraum transportiert werden. Dort lassen sie sich an die Rückseite der Sitzbank stellen oder mit vorhandenen Netzen und Befestigungspunkten sichern. Besonders schwere Gegenstände sollten möglichst tief und so positioniert werden, dass sie bei starkem Bremsen nicht ungehindert nach vorne fliegen können.

Für die kleine Tüte vom Bäcker, eine leichte Stofftasche oder ähnliche Dinge kann eine passende Aussparung in der Mittelkonsole dagegen durchaus praktisch sein.

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